Zirmtagung 2013

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Max (13) – Juniorchef von Larix, bei seinem Vortrag über die Klimakrise

Facettenreiche Zirbelkiefer. Der älteste Baum in Südtirol ist 1117 Jahre alt.

Wissenschaftler, Förster, Baubiologen, Unternehmer haben sich am Wochenende auf Einladung der Firma “Larix” im Ahrntal zur Tagung „Im Kreis der Zirbe“ getroffen. Eigenschaften, Herkunft, Verbreitung des Baums, wirtschaftliche Nutzung und positive Auswirkungen des Zirbenholzes auf den Menschen kamen zur Sprache.

„Das älteste Lebewesen von Südtirol stammt aus dem Sarntal“, sagt Forstinspektor Mario Broll. Es handelt sich um eine 1117 Jahre alte Zirbelkiefer. Wind und Wetter, Stürmen und Schneemassen habe die betagte Dame standgehalten. Überhaupt sei die Zirbelkiefer die widerstandsfähigste Baumart der Alpen. „Sie überlebt für die Dauer von acht Tagen eine Temperatur von minus 40 Grad Celsius.“

Broll vom Forstinspektorat Schlanders ist einer der Referenten der Tagung „Im Kreis der Zirbe“, die am vergangenen Wochenende im Südtiroler Ahrntal stattgefunden hat. Ob ihrer positiven Eigenschaften sei es kein schlechtes Omen, wenn ein Schlafender von einer Zirbelkiefer träumte. „Die Zirbe strahlt Geborgenheit und Kraft aus, sie hat eine harte Schale und einen weichen Kern.“ Daher sorge sie eher für einen ruhigen Traum, denn für schlechte Träume, so Broll.

Wirkt positiv auf den Menschen

Tatsächlich wirkt sich das Holz der Zirbelkiefer positiv auf den Menschen aus. Eine Studie des Human Research Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung im österreichischen Weiz beweist, dass der Schlaf in einem Zirbelholz-Zimmer 3500 Herzschläge spart. „Das Herz arbeitet also dank der Zirbelkiefer am Tag eine Stunde weniger“, so hat Forschungsleiter Vincent Grote herausgefunden, der die Studie im Verlauf der Tagung vorstellt, zu der Teilnehmer aus Norditalien, Österreich, Deutschland und Südtirol gekommen sind.

Fest steht, die Zirbelkiefer ist ein Wohlfühlholz, ein mystischer Baum. Broll hat sie an Wallfahrtsorten und an Bildstöckeln immer wieder angetroffen. „Sie verbindet Himmel und Erde, denn sie wächst von allen Baumarten im Alpenraum am höchsten.“ Stefan Schwingshackl, Förster in Sand in Taufers, bestätigt, dass die Zirbe die Waldgrenze bildet. Außerdem weiß er, dass der höchste Bestand der Ostalpen auf 2460 bei Rein in Taufers liegt. Unter 1400 Metern ist Zirbelkiefer generell selten anzutreffen. Hier könne sie sich gegenüber ihren Konkurrentinnen nicht durchsetzen.

Ornithologe und Tagungsveranstalter Ernst Girardi erklärt, wie sich die Zirbelkiefer verbreitet. „Sie schafft das mit Hilfe des Tannenhähers.“ Dieser Rabenvogel pickt die Samen aus den Zapfen und legt bis zu 400 Verstecke mit bis zu 15 Nüssen an. Im Winter ist der Vogel in der Lage, eine Schneedecke von 2,5 Metern zu durchdringen. „Um seine Verstecke wieder zu finden, bedient er sich unter anderem des Erdmagnetfeldes“, ergänzt Förster Schwingshackl.

Mit der Seilkrananlage ins Tal

Südtirolweit besitzt das Tauferer Ahrntal den größten Zirbelbestand. „Es ist wichtig, dass die Transportwege kurz sind, nur so schonen wir unsere Umwelt”, so Girardi. Daher greift der Bodenleger ausschließlich auf einheimisches Holz zurück. Doch es ist nicht immer leicht, das Holz zu ernten. Der örtliche Sägewerker und Partner von Girardi Clemens Ebenkofler muss seine Seilkrananlage von bis zu 1500 Meter Länge spannen, um die Baumstämme zu Tal zu befördern. Der Aufwand ist für die Förster der Forststation Sand in Taufers eine Frage der Sicherheit: „Nur wenn die erntereifen Bäume den jungen, flexiblen Platz machen, lässt sich ein einwandfreier Lawinenschutzwald garantieren.”

Zu Tal gebracht und geschnitten gelangt das Holz zu den weiterverarbeitenden Unternehmen, zum Beispiel nach Prad zu “Soligno”. Geschäftsführer Herbert Niederfriniger, ist stolz darauf, dass seine Holz-Bauteile bedenkenlos in den Stoffkreislauf der Natur zurückgeführt werden können. Nachhaltigkeit ist auch für Ernst Girardi nicht nur ein Schlagwort. Seine Zirbelholzböden werden auf Wunsch des Kunden roh, geölt oder gewachst, aber niemals lackiert geliefert.

Viel Handarbeit

Außerdem verleiht Girard mit Vorliebe und per Hand jedem einzelnen Zirbelholzbrett ein bestimmtes Hobelmuster. Die kleinen Unebenheiten am Boden tun dem Fuß gut. Außerdem entfaltet sich der Duft des Zirbelholzes besser, der sich nachweislich positiv auf das Wohlbefinden auswirkt und einem das Gefühl gibt, man sitze oder schlafe gerade anderswo: nämlich im Wald unter einem Zirbelbaum.